Von fremden Ländern in eigenen Städten | John Miller
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John Miller

JOHN MILLER
THE POSSIBLE RENDEZVOUS

 


Ort:

Fassade KAP1,
Konrad-Adenauer-Platz 1

 

Öffnungszeiten:
24/7

THE POSSIBLE RENDEZVOUS

 

Am Konrad-Adenauer-Platz 1 schreibt sich John Miller in die monumentale Architektur eines ehemaligen Postgebäudes ein, das zukünftig ein Kulturzentrum werden will. Er okkupiert das gelbe Werbebanner, das gleich einem Möbiusband um die Fassade mäandert, mit einem die Selbstbezogenheit des Gebäudes konterkarierenden Zitat des Situationisten Guy Debord:

„Mein Projekt ist eine textbasierte Arbeit, die eine Passage aus Guy Debords ‚Theory of the Dérive‘ zitiert. Darin fordert Debord seine Leser auf, ihre Gewohnheiten und Alltagsroutine abzulegen und sich ganz auf die Reize der Landschaft einzulassen. Ich verstehe das als psychologisch-experimentelle Übung, sich von der funktionalen Logik der Konsumkultur abzugrenzen. Es scheint angemessen, dieses Konzept in Form einer Art Werbetafel oder Bannerwerbung zu präsentieren.

Ob sich irgendjemand diesen Rat zu Herzen nimmt, ist eine ganz andere Frage. Vor einigen Jahren arbeitete ich mit Absolventen der Columbia University, und meine Klasse unternahm einige kurze, dreistündige Fahrten. Einmal wanderten wir entlang des Hudson River in Manhattans Upper West Side. Es war ein kalter Tag. Durch den starken Wind schien das Wetter kälter, als es wirklich war. Wir stießen auf eine Reihe Apartment-Hochhäuser, wählten eines aus und nahmen in der Lobby Platz. Es stellte sich heraus, dass Donald J. Trump das Gebäudes erbaut hat. Sein Name stand in großen, goldenen Lettern auf der Fassade. Der Portier trat an unsere achtköpfige Gruppe heran und fragte, was wir dort zu suchen hätten. Ich antwortete ihm: ‚Wir wärmen uns nur auf‘. Er entgegnete ‚Ok, ihr könnt hier noch fünfzehn Minuten bleiben, aber dann müsst ihr gehen.‘“
John Miller