Von fremden Ländern in eigenen Städten
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PICKNICK IM GRAUEN – EIN SELBSTVERSUCH

Eines der entscheidenden Themen bei der Neuplanung des Bahnhofsumfeldes scheint dessen Bewohnerschaft zu sein. Während sich die umliegenden Viertel wie Flingern oder Bilk zunehmender Beliebtheit erfreuen, fehlt es dem Bahnhofsumfeld an Menschen, die es als Lebensraum nutzen und Verantwortung dafür übernehmen. Grund sind klassische Problematiken des „Passagenraums Bahnhofsumfeld“. Wo der Reisende nur wenig Sorgfalt für sein temporäres Umfeld zeigt, sammeln sich Nutzungen, die sich im Strom der Massen verbergen. Der Bahnhof kann jedoch nicht nur von den Reisenden leben, sondern braucht parallel eine Bewohnerschaft, die sich wieder für ihn und seine Angebote interessiert.

 

Neele Behler, Kulturanthropologin aus Köln, die auch für die Bahnhofsmission tätig ist, betreibt im Auftrag der Diakonie das Projekt „Altersgerechtes Quartier Stadtmitte“, das sich mit den Bedingungen und Möglichkeiten des Lebens im Alter in der Innenstadt auseinandersetzt – angesichts der immer kleiner werdenden Bewohnerschaft im Bahnhofsquartier ein Thema mit immenser Bedeutung. Bei einem gemeinsamen Picknick wurde der Stadtraum von uns auf seine Eignung als Lebensraum hin überprüft.

Welche Möglichkeiten bietet der namenlose Platz neben dem Immermannhof? Weitgehend ungenutzt liegt der nagelneue, leicht gewölbte Boden in „Terrazzooptik“ da, nur unterbrochen von einigen zarten Judasbäumchen, am Abend von LED-Bändern beleuchtet. Über den Winter 2016/17 wurde der Platz im Rahmen der Maßnahmen des Projekts Entwicklungsgebiet Innenstadt Süd-Ost (EKISO) neu gestaltet. Die erhöhten Rasenflächen mit kleinen Büschen, von vielen Menschen mit Lebensmittelpunkt Straße als Ruheplatz und Aufenthaltsort genutzt, wurden samt japanischer Kirschbäume entfernt.  Die Kirschen, so sagt man, sollen ein Geschenk der japanischen Community an die Stadt Düsseldorf gewesen sein.

 

Bei dem Selbstversuch am 12. Juli 2017 testeten etwa 20 experimentierfreudige BewohnerInnen des Quartiers die Möglichkeiten, die der neue Platz bietet. Das Projekt Altengerechtes Quartier Stadtmitte lud zum „Picknick im Grauen“ mit Graubrot und Grauburgunder. Tatsächlich riss zum Start die graue Wolkendecke auf und tauchte den Platz in vorteilhaftes goldenes Licht. Im Strom der vom Bahnhof kommenden Professionals und unter Beobachtung des privaten Wachpersonals stellte sich heraus, dass der Platz weit mehr Potential bietet, als alle angenommen hatten. Könnte hier der neue Marktplatz für Stadtmitte entstehen?

Texte: Neele Behler und MAP
Fotos: MAP